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in der Presse
über Reiterferien in Mallorca |
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REITEN Urlaub im Sattel wird bei den Deutschen immer beliebter und ist schon längst nicht mehr eine Sache nur für Profis. Auf Mallorca lernen Anfänger binnen einer Woche, sich richtig auf dem Pferd zu halten. Am Ende steht dann ein Ausritt ins Gelände
Auch, wenn die Ballermänner nur wüssten. Tee immer noch Mallorca für Europas größte Freiluftkneipe halten und deren Horizont an der Begrenzung des Strandes von Palma endet. Wie schön ein Nachmittag zu Pferde ist, ein Ausritt in der Bucht von Alcudia. Die Badeinsel als Reiterparadies?
Nach den Rennrad-Touristen zieht es im Frühling neuerdings immer mehr deutsche Pferdeliebhaber in den sonnigen Süden. Neben Andalusien locken um diese Jahreszeit vor allem die Balearen. Ausritte durchs Hinterland Mallorcas und am Strand stehen neben dem üblichen Reitunterricht bei den Gästen besonders hoch im Kurs. Denn während sie daheim ihre Tiere noch im März in zugigen Hallen bewegen müssen, zeigt sich das mediterrane Eiland um diese Jahreszeit von seiner schönsten Seite: Alles grünt, alles sprießt, und Blütenduft liegt über dem Land. Der Himmel strahlt in tiefem Blau, mittags klettert das Thermometer an windgeschützten Stellen bereits auf 20 Grad.

Viel Neues wollen sie gar nicht mehr lernen. Nur eben raus mit den Pferden. »Das ist«, so Richard, »für uns das Schönste und einfach ein traumhaftes Erlebnis.«
Inzwischen sind solche Erfahrungen nicht allein mehr den Profis im Sattel vorbehalten. Anfängern steht mittlerweile ebenfalls das Gelände als Übungsplatz offen. Einige Reitschulen haben für diese Zielgruppe spezielle Lernprogramme entwickelt, an deren Ende dann zur Belohnung der gemeinsame Ausritt steht. Wer dagegen schon ein wenig Erfahrungen mitbringt. bei dem kann es wie bei Richard und seiner Frau auch gleich losgehen., Ihren Urlaub verbringen die beiden auf der Finca Predio Son Serra, einem fast acht Hektar großen Anwesen, nur wenige Kilometer vom zubetonierten Küstenstädtchen Ca'n Picafort entfernt. Ein Badeort zum Abgewöhnen. Die Finca dagegen liegt malerisch und abgeschieden auf einer kleinen Anhöhe über der weiten Bucht von Alcudia.


Der 58jährige ehemalige Chefreiseleiter bei NUR hat die Finca 1978 gekauft und über die Jahre immer weiter ausgebaut. Auf historischem Gemäuer: Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude von Ordensschwestern erbaut und diente später einer besuchten mallorquinischen Familie als Jagdhaus, bevor Süssmann 1984 mit der Renovierung begann. 15 Zimmer mit allem Komfort, Swimmingpool und ein liebevoll angelegter Garten gehören dazu und die fünf großen Palmen vor dem Haus.
Beim Abendessen legt Antje dann das Programm des nächsten Tages fest. »Erst wird geputzt, dann vorgeritten«, bestimmt die Pferdewirtin, eine Sächsin mit hessischem Akzent. Sie bereite auch die Anfänger auf Ausritte vor. Aber: »25 Stunden sollte jeder von euch schon im Sattel gesessen haben* schränkt sie gleich die Vorfreude der Urlauber ein. Da diene zu aller Sicherheit.
Acht Pferde hat Finca-Beitzer Süssmann, selbst passionierter Reiter, über die Jahre zusammengekauft: Araber, Anglo-Araber und die iberische Spezialzüchtung Pura Raza Espafiola Morena ist mit 22 Jahren das älteste Pferd im Stall. Ein Stute mit großen braunen Augen und dunklem Fell. »Die Sanftmut in Person«, sagt Süssmann und für Anfängt gerade recht. Trotzdem hat sie am nächsten Morgen besonders viel Feuer. Die Pferde spüren, dass es nach der Winterpause heute wieder richtig losgeht. Raus, an den Strand. Unruhig stapfen sie über den Hof Dazwischen tummelt sich Tango, ein Pony, neugierig und frech, das nichts und niemanden in Ruhe lässt.
Nach dem Frühstück geht's runter zum Stall. Denn vor dem Sport kommt die Arbeit. Putzen, also Fell striegeln und Hufe auskratzen. Richard gibt gleich wichtige Tips, wie man Vorder- und Hinterhufe anhebt, ohne in Gefahr für Leib und Leben zu kommen. »Die meisten Unfälle«. doziert er, »passieren in der Box. Also Vorsicht!« mahnt er. Danach beim Vorreiten auf dem wunderschönen Außenplatz, vorbei an blühenden Margeriten, an wildem Fenchel, an Aleppokiefem und Steineichen, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. »Drück die Absätze durch«, sagt Antje, »damit wird dein Bein länger" und du bist besser im Gleichgewicht, hast einen stabileren Sitz.« Leichter gesagt als getan! Richard dagegen hat im Sattel keine Probleme. Amir, den neunjährigen Araber, hat er voll im Griff, während seine Dorothea mit Hengst Harry noch klären mussß, wer hier heute das Sagen hat. Nach einer Stunde ist es dann soweit. Antje ist zufrieden. »Leute, es geht los.«
Dass dann gleich ein Fünf-Stunden-Ritt daraus wurde, machte sich erst am nächsten Tag an wunden Stellen an Hintern und Oberschenkeln bemerkbar. Inzwischen ist es Mittag, und die Macchie verströmt ihren typischen Duft. Es geht runter nach Ca'n Picafort. Erst durch Pinienwälder, dann - der weniger aparte Teil - parallel zur Straße vorbei an den Betonburgen der Touristen-Metropole. Am Ortsende ist der Strand nun greifbar nahe.
Amir mit Richard im Sattel legt mächtig los und zieht die Gruppe gleich mit. Sand und Wasser spritzen unter den Hufen auf. Verkrampft und ängstlich rinnt dem Anfänger der Schweiß den Rücken herunter. Hände und Arme schmerzen vom Zügelhalten, und die Schultern verkrampfen. Wie lange geht das noch? denkt mancher aus der Gruppe, und dann: Nur nicht aufgeben!
Kurz vor dem kleinen Badeort Serra Nova steht plötzlich Dieter Süssmann am Strand. Der Chef bringt Pizza und Kekse zum Mittagessen. Improvisation ist Trumpf beim Reiterurlaub, und so serviert der Finca-Besitzer das Picknick für seine Gäste auf der Laderampe seines Transporters. Die Pferde werden von jedem Reiter selbst versorgt. Bei Richard geht die Tierliebe soweit, daß er brüderlich seine Mineralwasser-Flasche mit seinem Reittier teilt.
Danach geht's ganz gemächlich zurück. Diesmal am Rande. der Albufera, einer Feuchtfläche mit einzigartiger Flora und Fauna. Über 40 Fischarten, 200 Vogelarten und 1500 Pflanzenspezies wurden von Biologen in dem Naturschutzgebiet ausgemacht. Es dämmert bereits und im langsam aufziehenden Dunst verschwimmen die Konturen der Landschaft.
Es geht vorbei an den typischen Windrädern. Nur wenige sind noch intakt. Die rot-, blau- oder weißgestrichenen mallorquinischen Wahrzeichen treiben keine Mühlen mehr an, sondern fördern Brunnenwasser - wie vor hundert Jahren.
Von hier ist es nicht mehr weit. Im Schritt den Hügel hinaufgeritten, dann nichts runter vom Sattel. Pferde versorgen und anschließend eigenen Blessuren pflegen. Hier eine Scheuerstelle, dort eine Blase. Und ab unter die Dusche.
Nachher beim Essen gibt die regional typische Gemüse-Brotsuppe »sopa mallorquina«, verklären sich die Dinge. »Zum Schluss sah es bei dir doch ganz gut aus«, lobt Richard, und seine Frau nickt zur Bestätigung. Wenn der nur wüsste, wie desolat nach einer solchen Tour der körperliche Zustand eines Anfängers ist. Doch reichlich Wein betäubt so manchen Schmerz. Die Zipperlein schwinden, und für den kommenden Tag wird neuer Mut geschöpft.
Nach fünf Tagen halten auch die meisten Anfänger bei den Ausritten passabel mit »Erst dann kannst du Strandtouren richtig genießen«, tröstet Antje den Novizen aus Norddeutschland »Schließlich«, sagt sie, : noch kein Meister vom Himmel gefallen.« Wie recht doch hat!
GEORG FRANCKEN
Stern 15/1999
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